Neuroleptikabehandlung.de


Medizinische Kurzauflistung wesentlicher Nebenwirkungen von Neuroleptika



In English Language



Einleitung


Dieser medizinische Beitrag schildert besonders scharf und anschaulich die heftigen Nebenwirkungen der Neuroleptika, die ab 1950 auf dem Weltmarkt verbreitet wurden. Der Bericht ist nicht von der Pharmaindustrie beeinflusst, außerdem wird hier nicht nur die Konservative Psychiatrie und Schulmedizin nachgetextet, hier handelt es sich um einen modernen, medizinisch geschriebenen und unabhängigen Beitrag von Patienten. Neuroleptika haben bestimmte positive Wirkungen auf das psychische Befinden von Patienten, jedoch kommt es auch häufig vor, dass die negativen Wirkungen den positiven überwiegen. Einige wesentliche Nebenwirkungen dieser Psychopharmaka werden im folgenden aufgelistet und für den Leser nachvollziehbar dargestellt.


  1. Verminderung der Denkleistung


    Neuroleptika verringern die Leistungsfähigkeit und Wahrnehmungskraft des Gehirns. Damit der Patient nicht zu viele Eindrücke von seiner Umwelt bekommt, wird ihm ein Mittel verabreicht, das die Nervenimpulsbahnen im Gehirn blockiert. Dadurch werden einige Gedanken zerstört und auch in der Schule oder im Straßenverkehr sind die Wahrnehmungen schlechter. Eigentlich sollen diese Mittel wahnhafte Vorstellungen reduzieren, reduzieren aber zusätzlich auch die normalen Wahrnehmungen und intellektuellen Fähigkeiten. Man kann sich hier tatsächlich fragen, in wie weit die Patienten durch solch eine Ruhigstellung wirklich geheilt sind. Ein Studium und komplexere Lernprozesse können durch Neuropektika-Einnahme tatsächlich unmöglich gemacht werden, Betroffene gelten dann als "nicht schulfähig", "nicht arbeitsfähig" und "nicht belastbar". Mit niedrigen Dosierungen, die abends eingenommen werden, aber am nächsten Morgen weniger stark wirken, sind Patienten häufig noch einigermaßen leistungsfähig. Es gibt tatsächlich Fälle, in denen Patienten unter Neuroleptikaeinnahme arbeiten, Ausbildung machen oder studieren, oft gelingt es aber nicht oder nur auf dem zweiten Arbeitsmarkt im "geschützen" Rahmen.



  2. Tremor


    Durch die Blockierung von Nervenbahnen im Gehirn kommt es zum Verlust der vollen Kontrolle über die Muskeln im Körper und seine Bewegungen. Ruckartig lassen die blockierenden Medikamente mal mehr oder weniger Nervenimpulse durch. Es kommt zu ungewollten willkürlichen Zuckungen; am häufigsten im Bereich der Arme und Beine, wo viele der Muskeln konzentriert sind.

    Die Zitterirritation der Muskeln des Menschlichen Körpers durch die Neuroleptika können oft Folgen haben:





  3. Lähmungserscheinungen


    Die Dopaminrezeptoren blockierenden Wirkstoffe der Neuroleptika bewirken eine Verlangsamung des Transportes von Botenstoffen im Gehirn. Dadurch wird die Reizwahrnehmung herabgesetzt, was vermeiden soll, dass der Patient zu viel wahrnimmt. Unruhe, Erregtheit und Verwirrtheit können die Folge von Reizüberflutung sein. An der Bremsung der Gehirnvorgänge leidet aber nicht nur das Wahrnehmungs- und Denkvermögen, sondern auch der Muskelapparat des Körpers, zu dem die Bewegungsimpulse nur noch langsam vordringen können. Die Blockade der Nervenverbindungen zu den Muskeln durch die Neuroleptika kann unter anderem diese Folgen haben:

    • Steife der Beinmuskeln was zu einem verlangsamten Gehen führt.
    • Verlangsamung sämtlicher Bewegungen mit dem Arm.
    • Langsameres Kauen und Verdauen von Nahrungsmitteln.
    • Stockendes Atmen wodurch dem Körper weniger Sauerstoff pro Zeiteinheit zugeführt wird.
    • Bewegungen mit dem Kopf werden schwieriger, Behinderung der Gestik.
    • Das erledigen von normalen Arbeiten, zu der die eigene Körperkraft benötigt wird, ist stark erschwert. In Handwerksbetrieben erfahren Patienten, weil sie Neuroleptika nehmen, eine verminderte Arbeitsfähigkeit.
    • Gehstrecken in der Außenwelt werden langsamer zurückgelegt, diverse Angelegenheiten können nur in Zeitlupe oder gar nicht erledigt werden.
    • Das Schreiben von Texten und Briefen dauert länger durch die langsamere Bewegung der Finger und Hände.
    • Einige Bewegungen der Arme und Beine können gar nicht mehr ausgeführt werden, dabei handelt es sich vor allem um bestimmte Sportarten.
    • Die Augenmuskeln arbeiten langsamer. Daher haben einige Patienten unter der Wirkung der Neuroleptika große Schwierigkeiten, vernünftig zu schauen. Dieser Effekt ist auch darin zu spüren, dass sich die Pupille auf wechselnde Entfernungen nur noch langsam einstellen kann.



  4. Krämpfe


    Zittern und Versteifung sind Nebenwirkungen von Neuroleptika, die in manchen Fällen Tag ein Tag aus anhalten können. Einige Patienten fühlen sich mit diesen Nebenwirkungen so beschränkt und eingeengt, dass ihnen der Spaß am Leben allein schon dadurch vergeht. Die Blockade der Nervenbahnen zwischen Gehirn und Muskelapparat durch die Neuroleptika führt zum Teil zu schweren Krämpfen. Es können dann zum Beispiel folgende Erscheinungen auftreten:




  5. Sabbern


    Sabbern eine häufige Nebenwirkung der Neuroleptika. Die Steuerung des Körpereigenen Flüssigkeitshaushaltes wird durch diese Medikamente blockiert. Mundtrockenheit ist das andere Extrem dieser Nebenwirkungen. Es dauert oft viel länger, bis der Patient sein Essen gekaut und runtergeschluckt hat. Die Mundtrockenheit kann sogar zu Problemen bei der Atmung führen.



  6. Gewichtszunahme


    Weil die Medikamente vom Körper als Gift empfunden werden und mühsam abgebaut werden müssen, reichern sich stattdessen andere Stoffe im Körper an. Die gesamte Verdauung und der Austausch von Flüssigkeiten im Körperinnern wird verlangsamt, was auch zur Aufschwemmung und einem Dickerwerden führt. Stoffwechselprozesse werden beeinträchtigt.



  7. Übelkeit


    Das Gehirn verarbeitet viele Informationen unter der Wirkung der Neuroleptika langsamer und anders, was sich auch auf den Gleichgewichtssinn negativ auswirken kann. Da die Wirkstoffe der Medikamente vom Körper bei der Verdauung als ungesund und lästig empfunden werden können, kann es im Magen - Darm - Bereich zu Übelkeitsgefühlen kommen. Wie nach einem zu starkem Alkoholgenuss, übergibt sich ein Patient manchmal aufgrund der starken physischen Belastung der Neuroleptika. Schwindel und Übelkeit schwanken meist in der Intensität und treten verstärkt kurz nach der Einnahme der Tabletten und nach dem Essen auf.



  8. Depressionen und verminderter Antrieb


    Depressionen und Antriebslosigkeit sind eine der häufigsten Nebenwirkungen von Neuroleptika. Die Hoffnung der Patienten,"wieder heil rauszukommen", schwindet durch die Einnahme der Medikamente, und das Selbstmordrisiko steigt. Durch Reizabschirmung entsteht eine subjektive Leere, in Folge kann es an Ideen für Beschäftigung und Unterhaltung mangeln.



  9. Verringerte Sexuelle Aktivität


    Die sexuelle Erregbarkeit wird durch Neuroleptika abhängig von Patient, Präparat und Dosierung mehr oder weniger verringert. Die Lust auf Sex kann im Vergleich zu Personen ohne Medikamente merklich reduziert sein. Die Libido ist in diesem Fall kleiner und Sex macht weniger Spaß. Orgasmus und Errektion sind spürbar schwächer.



  10. Schlafprobleme


    Durch die Psychopharmaka verstärkte Müdigkeit oder Einschlaf- und Durchschlafstörungen können sich ebenfalls negativ auf die Lebensqualität auswirken. Zu frühes einschlafen nach Einnahme der Abendmedikation und ein zu frühes wieder aufwachen am Morgen sind ein häufiges Phänomen, und manche Patienten können ohne die sedierende und beruhigende Wirkung der Neuroleptika gar nicht erst einschlafen. Motorische Unruhe als Nebenwirkung kann beim Schlafen erheblich stören, ebenso Mundtrockenheit und Übelkeit.



  11. Blutbildveränderungen und Herzstörungen


    Die Wirkstoffe der Medikamente können zu einer vielfältigen Veränderung des Blutbildes führen. Blutkontrollen werden daher zum Teil wöchentlich durchgeführt. Bei einem zu schlechten Blutbild muss die Art des Neuroleptikums gewechselt oder die Dosis reduziert werden. Vor allem, wenn die Blutbildkontrollen zu nachlässig gemacht werden, bleiben mögliche Veränderungen unbemerkt, was teilweise zu schweren Verletzungen im Inneren des Patientenkörpers führt. Diabetes und Thrombosen sind eine von vielen Spätfolgen von Blutbildveränderungen.



  12. Spätfolgen


    Besonders die Leber ist schnell erschöpft, wenn man die Medikamente bei einer Langzeittherapie einnimmt. Das führt zu einer erhöhten Rate an Leberzirrhosen und auch dem Versagen von anderen Organen im Körper, und je länger oder mehr man die Medikamente nimmt, desto wahrscheinlicher wird es. Ähnlich, wie das Rauchen auf die Lunge schlecht wirkt, wirken diese Psychopharmaka beispielsweise auf Leber und Milz. Wenn Erschöpfungserscheinungen der Organe auftreten, können Patienten den Ärzten häufig nicht nachweisen, dass es von den Neuroleptika her kommt. Das Parkynson-Syndrom und der Tremor verschwinden nicht immer zu 100% nach dem Absetzen.



  13. Schnelleres Altern


    Bei alten Menschen, die aufgrund ihres Alters körperlich etwas geschwächt sind, wirken sich Neuroleptika besonders deutlich negativ aus. Humpeln und Stolpern setzt bei ihnen wegen der Psychopharmaka manchmal schon zehn Jahre früher ein, als wenn sie diese nicht eingenommen hätten. Es kommt zu lebensgefährlichen Stürzen. Ein altersbedingtes schwaches Blutbild wird durch Neuroleptika zusätzlich verschlechtert.



Nachwort


Neuroleptika sollten nicht vom Markt genommen werden, da sie einigen Menschen auch weiterhelfen. Diese Medikamente sollten aber niedriger dosiert und seltener verschrieben werden! Vor allem nur in der Anfangsphase sind hohe Dosierungen oder Einnahmezwang gerechtfertigt, keinesfalls aber für einen Zeitraum, der länger als ein paar Monate dauert. Die Einnahme ist überhaupt nur dann gerechtfertigt, wenn der Patient die Nebenwirkungen verträgt und sie nicht lebensbedrohlich sind. Mit den Depotspritzen sollte man aufhören, da man dem Körper hiermit langfristig schwer zu verarbeitetende Chemikalien zuführt, und sie im Notfall, wenn zum Beispiel ein Krampfanfall einsetzt, nicht einfach von heute auf morgen absetzen kann. Depotspritzen sind nur in seltenen Einzelfällen gerechtfertigt - zum Beispiel bei akuter ernsthafter Gefährdung und Gewalt, oder wenn die Patienten freiwillig auf Tabletten verzichten wollen. Leider werden Depotspritzen nach heutiger Praxis in einigen Fällen als Bewährungsauflage verordnet, wenn der Betroffene sie verweigert, droht ihm eine erneute gerichtliche Unterbringung in der Psychiatrie oder die Kündigung in seiner Wohngruppe. Man sollte mit Psychisch Kranken in solch einer Situation Mitleid haben, obwohl sie ansonsten dazu neigen, sich gesellschaftlich zu outen und eventuell zu einer Gefahr zu werden. Neuroleptika gelten in Szenekreisen als "Pharmadrogen" mit ähnlichen Langzeitschäden wie beim Alkoholtrinken, Kettenrauchen und Drogenkonsum. Klassische Neuroleptika haben mehr Nebenwirkungen auf die Motorik und muskulären Prozesse, während atypische Neuroleptika stärker Blutbild und Stoffwechsel beeinträchtigen. Es muss hervorgehoben werden, dass auch bei den atypischen Neuroleptika die Nebenwirkungen ein lebensbedrohliches und stark die Lebensqualität beeinträchtigendes Ausmaß erreichen können. Die Nebenwirkungen "Tremor", "Lähmungserscheinungen" und "Krämpfe" sind ausgeprägter bei den klassischen Neuroleptika. Vor allem ab mittleren Dosierungen und bei Medikamentkombinationen können mehr als die Hälfte der oben aufgezählten Nebenwirkungen bei einem einzelnen Patienten in Summe auftreten, was dazu führt, dass sich der Patient schlecht fühlt und die Medikation ablehnt. Eventuell nimmt er sich das Leben. Oder der Patient verkommt aufgrund der lähmenden Nebenwirkungen der Neuroleptika zu einem Pflegefall und geht in Frührente. Dies gilt insbesondere für Patienten, die nicht das passende, auf sie persönlich zugeschnittene Medikament bekommen, und die in der Dosis zu hoch eingestellt sind. Andere Patienten arbeiten nur noch auf dem zweiten Arbeitsmarkt oder in 450-Euro-Jobs. Das kostet den Staat und die Krankenkassen viel mehr Geld als die Psychotherapie und die Medikamente. Einzelne Patienten nehmen ihre Neuroleptika auch gerne ein, weil sie wenig Nebenwirkungen spüren und sie sich mit ihrer Medikation besser fühlen. Die Medikamente vermitteln manchen Patienten den Eindruck von Sicherheit und Stabilität. Während bei klassischen Neuroleptika weit mehr als die Hälfte aller Patienten diese aufgrund der empfundenen Folter der Nebenwirkungen am liebsten zügig absetzen wollen, gilt das bei den atypischen Präparaten für eine weniger große Mehrheit. Nur weil die Nebenwirkungen das kleinere Übel aus der Sicht von Betroffenen sind, werden die Medikamente freiwillig weiter eingenommen. Dass durch einzelne Betreuer einige dieser harten Medikamente zwangsverordnet werden, verstößt gegen das allgemeine Menschenrecht der "Körperlichen Unversehrtheit". Besonders die Psychopharmaka mit vielen Nebenwirkungen werden gegen den Willen von Patienten gegeben, weil diese sie gerade aus diesem einen Grund nicht freiwillig nehmen wollen. Es handelt sich hier um zum Teil schwere Folter und Körperverletzung.




 Benjamin Winter,    Hamburg,    2003  und  2020




Zurück



Anmerkung:  Nebenwirkungen bestimmter Neuroleptika lassen sich leicht im Internet suchen und finden.
Zum Beispiel hier: www.Nebenwirkungen.de/Datenbank/



In English Language